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Interview mit Bianca Burtscher in DUHwelt 3/2005

Die DUHwelt ist die Zeitschrift der Deutschen Umwelthilfe.

 

Feuchtgrünland und Storchenlebensräume zwischen Alpenrhein und Donau



Bianca Burtscher
Bianca Burtscher

Im Mai 2005 wurde mit dem internationalen Projekt zur Verbesserung von Feuchtgrünland und Lebensräumen von Weiß- und Schwarzstorch begonnen. Die 18 Teilprojekte liegen in vier Landkreisen in Deutschland, im österreichischen Vorarlberg, im Gebiet des schweizerischen Alpenrheins und in Liechtenstein. Im Rahmen des Projektes werden Wiesen entbuscht, wieder vernässt, Teiche und Tümpel angelegt und Projekte mit Weidetieren begonnen. Das Vorhaben kostet 1 Million Euro. 50 Prozent der Kosten trägt die Europäische Union mit seinem Förderprogramm Interreg, die anderen 50 Prozent kommen von vielen verschiedenen Institutionen. Die Deutsche Umwelthilfe hat Frau Bianca Burtscher vom Naturschutzbund Vorarlberg zu dem Projekt befragt.

 

1. Was will die Europäische Union mit ihrem grenzüberschreitenden Förderprogramm Interreg erreichen?

Durch das Förderprogramm soll die grenzüberschreitende Zusammenarbeit gestärkt und die nachhaltige Entwicklung der Region gefördert werden. Der gemeinsame Wirtschaftsraum soll weiter entwickelt, eine leistungsfähige Infrastruktur ausgebaut und Erwerbsmöglichkeiten gesichert werden. Weitere Ziele sind die Erhaltung des attraktiven Lebens- und Wirtschaftsraumes mit seinen wertvollen Landschaften und die Verbesserung der ökologischen Gesamtsituation.

 

2. In Vorarlberg liegen drei Teilprojekte. Was soll dort verbessert werden?

Das Schweizer, Lauteracher und Wolfurter Ried sind durch den hohen Anteil an extensiv genutztem Feuchtgrünland, so genannten Streuwiesen, Lebensraum für eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Die geplanten Aufwertungsmaßnahmen sollen zu ihrer langfristigen Erhaltung beitragen.

 

Durch Flussregulierungen und den Ausbau der Entwässerungssysteme sind weite Teile der Riedgebiete heute viel trockener als vor 50-100 Jahren. Ein hoher Grundwasserspiegel ist aber eine entscheidende Voraussetzung für die Erhaltung von Feuchtgrünland. Im Naturschutzgebiet Birken soll deshalb am alten Lauf der Schwarzach ein regulierbares Stauwehr eingebaut werden. Im Frühling und Frühsommer kann damit der Grundwasserspiegel in den Streuwiesen angehoben werden. Das Stauwehr wird im Spätsommer geöffnet, sodass die Böden vor der Streuemahd wieder abtrocknen können.

 

Kleingewässer waren früher in den Riedgebieten häufig. Heute fehlen sie weitgehend. Im Schweizer Ried in Lustenau werden deshalb vier großflächige Flachteiche in bestehenden Vernässungen angelegt. Im Wolfurter Ried sind vier und im Lauteracher Ried zwei kleinflächige Flachteiche geplant.

 

Durch Entbuschungen wird im Wolfurter und Lauteracher Ried der ehemals offene Landschaftscharakter wieder hergestellt, die Fläche der Streuwiesen vergrößert und die Lebensraumqualität für die charakteristischen Riedarten verbessert.

 

Im Vorarlberger Alpenrheintal brüteten dieses Jahr vier Weißstorch-Paare. Im Schweizer Ried werden zusätzliche Nisthilfen aufgestellt und wir hoffen, dass die Zahl der Weißstorch-Brutpaare dadurch steigen wird.

 

3. Nennen Sie bitte ein paar weitere Pflanzen- und Tierarten, die neben Weiß- und Schwarzstorch durch die Teilprojekte gefördert werden.

Zusammen mit den umliegenden Riedgebieten zählen die Vorarlberger Projektgebiete zu den wichtigsten Brutgebieten für Wiesenvögel im Bodenseeraum und in Österreich. Hier brüten noch Uferschnepfe, Großer Brachvogel, Bekassine und Kiebitz. Diese Vogelarten bevorzugen gehölzarme, extensiv genutzte Feuchtgrünlandgebiete mit einem hohen Grundwasserspiegel. Die Maßnahmen zielen genau in diese Richtung.

 

Durch die geplanten Kleingewässer wird zudem das Nahrungsangebot für Störche und andere Wiesenvögel erhöht. Mit den Flachteichen werden auch neue Lebensräume und Laichgebiete für wassergebundene Arten wie Libellen und Amphibien geschaffen. Gerade für den Laubfrosch sind solche Fördermaßnahmen sehr wichtig, da er in den letzten Jahren in den Vorarlberger Riedgebieten abseits des Bodensees stark zurückgegangen ist.

 

Die typischen Pflanzenarten der Streuwiesen sind lichtliebend und brauchen einen hohen Grundwasserspiegel. Von Entbuschungen und der Verbesserung des Wasserhaushalts werden deshalb Sumpf-Gladiole, Sibirische Schwertlilie, Lungen-Enzian, Fieberklee etc. profitieren.

 



4. Wie arbeiten die Naturschutzverbände und die Behörden in den Projekten zusammen?

Bereits bei der Projektkonzeption hat sich gezeigt, dass die Zusammenarbeit sehr fruchtbar ist und wir uns sehr gut ergänzen. Denn jeder Projektpartner hat seine eigenen Stärken, die er in das Projekt einbringt. Das Landratsamt Bodenseekreis hat beispielsweise viel Erfahrung mit der Koordination von Projekten mit vielen Partnern und koordiniert auch dieses Projekt. Die Naturschutzverbände wiederum sind durch ihre Mitglieder, Unterstützer und ehrenamtlichen Helfer sehr gut vor Ort verankert. Dieses Netz an Aktiven im Feuchtgebietsschutz wird durch die grenzüberschreitende Zusammenarbeit noch erweitert und enger geknüpft.

 

5. Wie wird die Bevölkerung über das Projekt informiert?

Der Weißstorch ist ein Sympathieträger, der das Interesse auch für seinen Lebensraum und viele andere gefährdete Tier- und Pflanzenarten wecken kann. Er steht deshalb im Mittelpunkt einer großen Ausstellung in der inatura Erlebnisnaturschau Dornbirn und einer Wanderausstellung, die im gesamten Projektgebiet gezeigt wird. Daneben wird die Bevölkerung über Artikel in diversen Medien, Exkursionen, Faltblätter und eine eigene Homepage www.feuchtwiesen-stoerche-bodensee.net informiert und für das Thema sensibilisiert. Für Schulklassen werden zudem Aktionstage beim Storchenhof in Kriessern, Exkursionen in verschiedene Projektgebiete und eine Unterrichts- DVD „Storch flieg“ angeboten.




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